Zivirecht

Das Zivilrecht ist ein sehr weiter „Sammelbegriff“.

Eigentlich wäre die „heutige“ Bezeichnung auch bürgerliches Recht. Sie hat sich aber nie wirklich durchgesetzt. Das besondere hieran ist, dass der „neue“ Name mit der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches am 01.01.1900 amtlich wurde. In der Zeit vor 1900 war stehts von Civilrecht die Rede, wobei dies wiederum nicht in allen Ländern Deutschlands der Fall war.

In der Zeit der Deutsch-Deutschen Teilung gab es ab 1975 in der einen Hälfte das Bürgerliche Gesetzbuch und in der anderen das Zivilgesetzbuch.

Achtet man z.B. hier in Berlin beim Betreten der Gerichte auf den Türsturz, wird man oft „Civilgericht“ lesen können. Das kommt daher, dass die Gerichte vor 1900 erbaut wurden.

Das bürgerliche Recht umfasst ferner sehr viele einzelne Gebiete. Vom Erb- über das Familienrecht, die einzelnen Vertragstypen, Immobilien, Sachen und auch das Nachbarschaftsrecht werden bereits im BGB geregelt.

Ein besonders schönes Beispiel für eine Norm, die die meisten Juristen noch nicht einmal kennen, ist der zivilrechtliche Überfall. Jetzt denken Sie wahrscheinlich – wie fast alle – an den strafrechtlichen Raub, aber weit gefehlt und auch nicht ansatzweise so dramatisch:

§ 911 BGB – Überfall

Früchte, die von einem Baume oder einem Strauche auf ein Nachbargrundstück hinüberfallen, gelten als Früchte dieses Grundstücks. Diese Vorschrift findet keine Anwendung, wenn das Nachbargrundstück dem öffentlichen Gebrauch dient.

Schon an dieser – sprachlich altmodischen – Norm sehen Sie, was man alles im bürgerlichen Recht bzw. Zivilrecht finden kann.